Julia etc.

Web Zwo Sehr Null – Gekaufte Meinungen auf niedrigstem Niveau

11 Kommentare

Die normalen Werbewege reichen nicht aus, es müssen auch die Nutzermeinungen gefälscht werden, vorzugsweise durch Meinungsschreibe über Produkte, die der Schreiber nie sah, schmeckte, fühlte, ausprobierte oder las.

Kurz nachdem das Netz 2.0 noch gerühmt wurde, Ausdruck freier Meinungsäußerung und in Hand des ehrlichen User Feedbacks zu sein, aus dem Hersteller lernen können, ist es nun wieder mal ein Sumpf an Betrug und per Sklaven“lohn“ bezahlter Pseudo-Kenner. Denn klar, welche Hersteller machen nicht gerne den Verbraucher zum Trottel, wenn es sich lohnt? Jetzt geht das auch billiger als Werbung je war.

Zwei Beispiele der letzten Tage haben mich erschreckt:

Freiberuflerplattformen wie oDesk und peopleperhour ekeln nicht nur durch Stundenlöhne zwischen $1-6 pro Stunde. Sie lassen es auch noch zu, dass auf ihren Seiten Meinungsschreibe als Job angeboten wird. $1-6 je 500-600 Worte Artikel zu Produkten, von denen der Schreiber keinen Schimmer hat.

Die Bewerberliste ist lang. Und wenn er/sie z.B. ein eBook geschickt bekommt, über das der Jobgewinner (soll heißen, der niedrigst Bietende, nicht der Beste) sich ergießen soll, gibt es für Lesezeit und Schreiben ca. $5. Das bedeutet im Klartext, dass sich qualifizierte Menschen heutzutage für Löhne verdingen müssen, die Fastfood-Unternehmen als Muster-Arbeitgeber erscheinen lassen.  Und wie, frage ich mich. zahlt jemand von solchen Bezahlungen seine Miete?

Ist mir heute langweilig, möchte ich für $3  so ca 5-8 Stunden arbeiten und mal ordentlich Frust ablassen?

Hierzu durfte mein Facebook-Freund und Schriftsteller John Asht kürzlich schmerzliche Erfahrungen sammeln: Bezahlte oder gehässige Rezensenten, die auf der Basis des online verfügbaren Klappentextes seiner Bücher vernichtende Kritiken schrieben. Offenbar mit Freude darüber, jemandem weh zu tun.

Hier sein Beitrag, mit Erlaubnis rüberkopiert:

Logbuch Eintrag – Jahr 2012 Monat 01 Tag 23.

„Experiment gelungen – die Organisierte Literatur-Kriminalität im Internet ist bewiesen: Google Alert hat mir binnen nur 2 Tagen ganze 742 neue, gehässige Rezensionen meines Romans „TWIN-PRYX, Zwillingsbrut“ gemeldet. Dabei aber wurde in dieser Zeit kein einziges Exemplar verkauft, geschweige denn von einem dieser Möchtegern-Rezensenten gelesen. Da wurde auf organisierte und abgesprochene Weise einfach nur der Klappentext im Internet begutachtet und bösartig auf die Tasten gehauen. Das ist kriminell, weil es eine „Absichtliche Geschäftsschädigung wider besseren Wissens“ ist.

Wohlbedacht über’s Wochenende, habe ich diesen Blog in die Welt des deutschsprachigen Raumes geschickt. Er hat viel Staub aufgewirbelt und mir letztendlich den erhofften Beweis erbracht, dass es tatsächlich so etwas wie „Rezensenten-Mafia für Arme“ gibt. Diese Leute sind in Foren und Blogs organisiert und schießen auf Kommando, wie die Zecken aus den Büschen, ohne überhaupt nachzudenken, was sie da eigentlich anstellen. Da gibt einer den Ton an und alle anderen folgen ihm bedingungslos in den Irrsinn. Typisch!

Über 14.600 Personen haben in nur 48 Stunden diesen Blog gelesen – in über 1.200 Foren im gesamt deutschsprachigen Raum wurde darüber debattiert – an die 80 Onlinezeitungen und ca. 20 gestandene Jouranlisten haben Anfragen geschickt, obwohl wir Wochenende hatten. 

Fazit: Solche falschen Rezensenten und Möchtergern-Literaturkritiker sind eine Schande für’s freie Internet, aber ganz besonders für die Literaturbranche des einstigen Volkes der Dichter und Denker. Und sie sind auch die Totengräber des freien Internets. Es braucht sich niemand mehr wundern, wenn es schon in baldiger Zeit, die Anonymität im Internet nicht mehr geben wird und wenn es überall diverser Zugangscodes bedarf. Die schönen, guten alten Tage des Freien Internets sind gezählt – wegen eben solch‘ schwachsinnigen Halbstarken.
In den Parlamenten dieser Welt werden schon seit einem Jahr die Messer heftig gewetzt – aber keiner scheint die Warnung zu verstehen!“  

>>>So ging es weiter…

Wer fing mit bezahlten und gelogenen Kommentaren an? Wer hört damit auf? Sonst haben wir bald Wahlkampf auf dem Niveau…

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Autor: Julia etc.

Life Coach, Marketing Consultant Reiki Usui Master, NLP Master Introvert – INFJ, Lover & Friend Mein verantwortungsvolles Amt in Germanys next Bundeskabinett: "Ministerin für Arterhaltung und Schlamassel im weiteren Sinne"

11 Kommentare zu “Web Zwo Sehr Null – Gekaufte Meinungen auf niedrigstem Niveau

  1. Das ist absolut erschreckend und bestärkt mich mehr und mehr in meiner Meinung, dass man zwar im Internet von „Schwärmen“ reden kann, jedoch keinesfalls das Wort Intelligenz hinzufügen sollte.
    Wenn man auf den Bauch einer Gesellschaft hören möchte, muss nicht verwundert sein, nur Fürze zu hören.
    Mit anderen Worten: Volkes Meinung ist nie innovativ, sondern kaut nur wieder…meistens unreflektiert und ohne Erkenntnisgewinn.

    Schade dabei ist, dass in diesem Datenmist, wirklich interessante Beiträge verschütt gehen.

    Allerdings kann ich in der Begrenzung der Anonymität nichts schlimmes vermuten. Ich stehe hier genauso mit meinem Namen ein, wie im täglichen Leben.
    Wenn das der einzige Weg ist den Menschen klar zu machen, wie man ethisch und seriös miteinander umgeht-okay!
    Die widerlichsten Kommentare kommen nicht selten von Menschen, die sich in der „realen Welt“ eher schweigsam verhalten und eigentlich nie begriffen haben,
    wie man zusammen konträre Meinungen bespricht.
    Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Menschen sich hinter Synonymen verbergen.

    • Ja,.lieber Ralf, ich gebe Dir vollkommen Recht. Das Thema konträre Meinungen respektvoll auszutauschen, so dass beide Seiten etwas davon haben, ist eine extrem schwierige Sache. Kultur, Erziehung, Sender-Empfänger… Da möchte man sich manchmal die Haare einzeln ausreißen.

      Anonymität kann für Manche aus verschiedensten Gründen wünschenswert sein, die nicht immer verwerflich sein müssen. Schlimm wird es dann, wenn anonyme User destruktiv werden und Schaden anrichten, den nicht sie, sondern die Adressaten ausbaden müssen.

  2. Es gibt in Deutschland einige große Content-Agenturen, deren Namen ich hier aus guten Gründen nicht nenne. Sie lassen für ca. 0,4 bis 1,2 Cent pro Wort im Kundenauftrag Fake-Rezensionen erstellen. Stil und Wahrheitsgehalt sind unwichtig, Hauptsache die Keyworddichte stimmt.

    Nach Selbstauskunft der Portale sind angeblich allein bei zweien dieser Agenturen zusammen ca. 70.000 so genannte »Autoren« aktiv. Sie verfassen als Quasi-Ghostwriter im Auftrag von Herstellern, Verlagen, Plattenfirmen, Nachrichtenmagazinen, TV-Sendern und großen Tageszeitungen am Fließband entweder gute oder schlechte Rezis für Kosmetik, Nahrungsmittel, Getränke, Handys, Bücher, Musik, Filme, Dienstleistungen, Finanzprodukte usw.

    Es handelt sich bei dem anonymen Geblubber im Äther also leider nicht um echte Meinungen oder wenigstens den »Bauch der Gesellschaft«, respektive deren semantische Flatulenzen, sondern um das Gestammel vieler Möchtegern-Schreiberlinge, die sich für ein paar Cent als Zulieferer für Content-Fabriken betätigen.

    Meine persönliche Meinung als qualifizierter Autor mit 24 Jahren Berufserfahrung: Diese Praxis ist gruselig, kulturvernichtend, pfui bah und sollte verboten werden.

    • Vielen Dank für die Info, liebe 11, da dreht sich mir der Magen um.

      Das könnte auch glatt eine neue Masche werden:
      Hasse mal nen Euro?
      Klar, wenn du 100 Wörter dafür schreibst.

      Oder: „Hartz IV Empfänger zu 1-Euro Jobs in Rezensionsagenturen genötigt.“

  3. ………wer weiß, am Ende passiert das bereits? Ein großer Hamburger Verlag hat ja letztes Jahr einige fest angestellte Journalisten entlassen und kauft inzwischen seinen Content bei einer dieser Agenturen ein. Der Leser weiß das natürlich nicht, er wundert sich höchstens, warum das Zeug so saumäßig getextet ist. Wenn er es überhaupt merkt.

    *Magentropfen rüberreich* und jetzt schnell an was Erfreuliches denken:-))

  4. Das unglaubliche ist doch, das es viel schlimmer ist als man es sich in seinen kühnsten Träumen ausmalt. Ich bin manchmal wirklich sprachlos.

  5. Ja, das ist schon seit einigen Jahren bekannt und dass unter den Schreibern ALG II Empfänger sind, ist mir auch bekannt. Die Deutsche Bahn ist damit schon gründlich baden gegangen. Mit verdeckten PR-Aktivitäten in den Abgrund

    Mich persönlich wundert diesbezüglich schon lange gar nichts mehr.

    • Es ist traurig, dass uns diesbezüglich wenig wundert, sehr sehr traurig.
      Es wird nun versucht, Regulierungen und Selbstregulierungen sowie Programme für korrekte Rezensionen zu schaffen.
      Mal sehe, was die da köcheln…

  6. Es geht auch anders:
    http://www.amazon.de/product-reviews/3923914628/ref=cm_cr_dp_see_all_btm?ie=UTF8&showViewpoints=1&sortBy=bySubmissionDateDescending
    Rate mal, welche Rezension vom Autor selbst stammt. Eine „Sockenpuppe“ ist dann doch noch einen Zacken schärfer als Verlags-PR, die ja keine Berufsehre kennt.

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