Julia etc.


2 Kommentare

As time goes by – 30-jähriges Abitreffen

Tafel

Oh je, was ziehe ich bloß an, schick oder relaxt? Will ich überhaupt hin? Werde ich Einige wieder erkennen? Ein paar Minuten der Unentspanntheit. Dann wieder Neugier und Vorfreude. Ab in die U-Bahn und ins Sushi & Soul, das unserem ehemaligen Mitschüler Chris gehört. Vor der Tür steht Andi und erkennt mich sofort. Ich bin ganz baff. Drinnen sind schon ein paar mehr eingetroffen, manche Gesichter kommen mir sehr bekannt vor. Chris – meine Güte, ist er auch schon 50? Sieht man gar nicht – nimmt Jacken in Empfang und dirigiert zu einer gefühlten 50 Meter langen Tafel.  Alles 50 heute. Ein tolles Einrichtungselement in seinem Lokal, das schon gut gefüllt ist und eine sehr schöne, warme Atmosphäre versprüht.

In welcher Klasse war ich bloß? Ich kann mich nicht erinnern und es wird leicht verwirrend. Es erkennen mich mehr Menschen als ich erwartet hätte, denen ich aber keine Namen zuordnen kann. Alle waren viel länger in Klassen gemeinsam. Ich kam erst im zweiten Halbjahr der 11. dazu, dann kam die Kollegstufe und wir wurden neu auf Kurse verteilt. Lehrer sind auch gekommen. Sie können aber kaum Jemanden zuordnen, auch meine Französisch-Leistungskurs-Lehrerin nicht. Sind ja nicht mehr die Jüngsten. Im Laufe des Abends wird es immer wahrscheinlicher, dass ich in der 11f war. OK, Schublade gefunden.

Birgit

Birgit! Da kommt meine liebe Freundin von früher, ohne ihre Löwenmähne, dafür mit stylischem Kurzhaar und sehr schicker Brille. Wir fallen uns in die Arme. Sie ist aus Stuttgart angereist. So viele Jahre nicht gesehen, die Flashbacks beginnen, mit sehr wohligen Erinnerungen.  Den ganzen Abend über wird mir immer klarer, wie sehr ich meine Schulzeit ausgeblendet habe. Nicht nur nervig-unangenehmes, auch das Schöne. Birgit sagt, dass Katja aus Cannes anreist. Ich freue mich noch mehr. Wie toll!

Katja! Da kommt sie! Dicke Umarmung, Riesenfreude! Aufholen, was alles passiert ist. Wir waren lose immer mal wieder in Kontakt über die Jahre. Mein Langzeitgedächtnis kommt auf Touren. Billiard spielen, Jungs damit beeindrucken, nach Paris fahren, mit ihrem Bruder zusammen gewesen, der mit meinem Bruder im Internat war. Wir drei nehmen uns einen Stehtisch, genießen die tollen Vorspeisen und ratschen, was das Zeug hält.

Katja

Die Atmosphäre ist schön, alle sind fröhlich und aneinander interessiert. Doch was wäre so ein Abend ohne fast eine in die Fresse zu kriegen? Ein ehemaliger Mitschüler  kam zu uns an den Stehtisch, stellt sich zwischen Birgit und mich und ignoriert, dass wir gerade im Gespräch sind.  Einem ziemlich persönlichen. Erster Minuspunkt bei mir. Dann quasselt er verschwitzt drauf los, „was das eigentlich sei mit den Frauen, die auf einmal ihr Leben verändern und sich coachen lassen. Was für ein Käse! Er hätte im Spiegel gelesen, Coaching sei quasi Schwachsinn.“ Da kann ich nicht umhin, ihm zu sagen, dass er Schwachsinn redet. Ein Wort gibt das andere und er meint, wäre ich keine Frau, würde er mich hauen. Da mich das wenig beeindruckt, wird er richtig sauer und schimpft rum, erreicht nichts, geht aber dann von uns weg und wenig später aus dem Lokal. Gute Entscheidung.

Anna-Michi

Alle wechseln noch ein paar mal Plätze und ich bin richtig froh, da zu sein. Katharina und ich unterhalten uns eine Weile über Ernährung, Bio, Genmanipulation und beschließen, das Gespräch weiter zu führen. Es wird mit den Stunden leider mühevoller, sich zu unterhalten, weil der Lärmpegel im erfolgreichen Lokal immer höher wird. Das nächste Mal wünsche ich mir eine ruhige Location für uns, irgend einen netten Nebenraum. Ganz lieben Dank an die Organisatoren und an Chris! Ich freue mich auf´s nächste Mal!