Julia etc.


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La Bamba à la Algarve, anno weiß nicht mehr (1)

Erinnern

Bekannte urlaubten kürzlich an der portugiesischen Algarve und haben mit ihren tollen Videos die Erinnerungen meiner Reise  vor vielen Jahren wieder belebt. Zwei Wochen Sonne auf meiner Haut, nicht ohne Salz, versteckte Buchten, Begegnungen mit Delfinen, Blumen überall, frischer Fisch, nette Menschen und viele Erkundungen mischten sich mit eigenartigen und lustigen Erlebnissen.

Reisen

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Ein befreundetes Reisebüro buchte mir den Flug und ein Hotel, das im Prospekt herrlich aussah: Meerblick, grüne Umgebung, 5* Mittelmeer-Standard. Ja, du liest richtig, damals gab es noch Reisebüros. Das waren Dienstleister mit Ladengeschäft, die einem mit gedrucktem Anschauungsmaterial bei der Reiseauswahl und -vorbereitung gegenüber saßen und die Buchungen in schneckentemposchnellen Systemen vornahmen.

Der Ankunfts-Flughafen Faro mutete familiär an, sprich er war damals sehr klein, dafür von um so mehr Urlauber-Familien bevölkert. Schreien, Quengeln, Suchen, portugiesisches Flughafenpersonal auf deutsch voll quatschen. Verstörtes Realisieren, dass man im Ausland ist. Über einander gefallene Koffer vom viel zu schmalen Gepäckband retten, und noch mehr Geschrei und Gequengel von Kindern, die dem Stress ihrer Eltern die passenden Klangfarben gaben. Tief durchatmen.

Schaudern

Ein Shuttle-Bus brachte mich kurz darauf zu einem Hotel in Albufeira, ca. auf halber Strecke zwischen Faro und Lagos. Es stellte sich also sehr schnell heraus, dass Albufeira ebenso wenig das gebuchte Lagos war wie das Hotel der Prospektabbildung entsprach: Beton-Silo in Reih und Glied mit vielen Beton-Silos unterschiedlicher Formen und Größen, grau in grau. Dazwischen keine tropisch anmutenden Ziergärten, sondern Kräne, Bagger, vertrocknete Palmenreste und davor verschmutzter, übervölkerter Strand. Das glückselige Urlaubsgefühl wollte sich spontan noch nicht wirklich einstellen, sondern ertrank im Lärm der krebsrot gerösteten Massentouristen.

Es war schon Nachmittag, ich würde hier heute vermutlich nicht mehr weg kommen, zumal mein Mietwagen noch nicht da war. Also zumindest mal das Zimmer anschauen. Düsteres Erwachen in Bild und Ton: Miefiges Kleinst-Einzelzimmer mit überdachtem Miniatur-Balkon, gut einsehbar für Nachbarn, die ihrerseits schmuddelig-weiße Sportsocken auf ihrem Balkon trockneten und sich zu unüberhörbar deutschem Fernsehen in Adidasstreifen-Trainingshosen räkelten. Plastik-verschaltes Bad von maximal 20 Quadratzentimetern. Umdrehen ohne Anstoßen unmöglich. OK, ich muss hier weg. Schnell!

Ich erreichte Uwe im Reisebüro mit meinem Handy auf seinem Handy. Das ist deshalb erwähnenswert, weil Roaming damals nicht selbstverständlich und enorm teuer war. Nicht Jeder hatte eines von diesen gefühlten kiloschweren, mangogroßen Teilen, geschweige denn dauerhaft vor dem Gesicht oder am Ohr fixiert. Mir war der Luxus aus beruflichen Gründen vergönnt, also hatte ich es für alle Fälle dabei. Die Rechnung dafür sollte später noch folgen. Ich teilte ihm in wenigen, kostensparenden Worten mit: „Uwe, hier ist es Scheiße, eine einzige Betonwüste. Ruf bitte den Veranstalter an und rette mich weit weg von hier!“ Eine Stunde später – Uwe ist effizient! – rief mich eine Dame des Veranstalters an, entschuldigte sich in aller Form für mein Missfallen und bot mir an, mich noch am selben Abend umzuziehen. Da war ich gleich viel milder gestimmt.

Ankommen

So sprach sie und holte mich eine knappe Stunde später ab. Wir gondelten entlang der wunderschönen Küste, nun tatsächlich fast bis nach Lagos. Herrlich! Unterwegs erklärte Sie mir, sie könne mir ab dem überübernächsten Tag ein wirklich nettes Appartement anbieten, das auch ins Budget meiner Buchung passe. Außerdem würde sie mir Morgen den Mietwagen bringen lassen, den ich mit gebucht hatte. Sie müsse mich jedoch leider für drei Nächte zwischenlagern und bat mich um Verständnis, dass ich diese Nächte in einer Villa schlafen müsse. Villa? Villa! Für mich allein? Für mich allein! Ich versuchte, mein spontanes Strahlen in ein geschäftsmäßig-freundliches Nicken zu pressen, was mir gründlich misslang.

Die Villa hatte acht Schlafzimmer, die ich theoretisch alle nutzen konnte, Marmorbäder, eine offene Küche sowie einen riesigen, dezent und hell eingerichteten Wohnraum, der sich zum Pool und Meerblick öffnete. Ich hätte es schlimmer treffen können! Die super-freundliche Veranstalter-Dame wünschte mir einen schönen Aufenthalt und verabschiedete sich bis in drei Tagen. Ich schmiss eine meiner CDs in die Stereoanlage des Hauses und tanzte erstmal gepflegt meine erste Anspannung aus und meine sprudelnde Freude in den Raum. 3 Tage + Villa + Pool + Meer + ich = Perfekt!

Villa-Portugal

Um die Ecke im Ort waren die Läden noch offen. Dort kaufte ich Leckeres zum Abendessen, Kaffee und ein paar Getränke. Die nahe liegenden Restaurants mit deutschen Speisekarten zogen mich nicht an, mein Pool mit Meerblick umso mehr. Zum Sonnenuntergang lag ich entspannt auf meiner Terrasse am Pool, genoss die Aussicht und meine portugiesischen Köstlichkeiten, Bissen für Bissen bei einer Flasche hervorragendem Portwein. Etwas durch geschleudert von den Gefühlen und Eindrücken des Tages, plumpste ich recht früh in eines der vielen großen Betten des Hauses und schlief sofort ein, nachdem ich Uwe noch ein dickes Dankeschön für seinen „Not-Einsatz“ per SMS geschickt hatte.

Booten

Entspannt und fröhlich wachte ich am nächsten Tag auf und fand eine SMS der lieben Veranstalterin vor, dass mein Mietwagen vor der Tür stünde und der Schlüssel im Briefkasten sei. Hervorragend! In der Küche fand ich die Kaffeemaschine, bereitete mir einen Becher voll zu und nahm ihn hochherrschaftlich, mit den Füßen im Pool und dem Meer im Blick, auf meiner temporären Terrasse ein. Mein Urlaub konnte beginnen, nicht in vollen Zügen, sondern an wundervoller Küste! Kaffee, Schwimmen, Duschen, Mittag. Land und Leute, ich komme!

Zu aller erst wollte ich mich auf eine von mehreren Boots-Touren begeben, in den nächsten Tagen etwas über Land fahren, einfach der Nase nach, ein paar Empfehlungen folgen und noch mehr Boot fahren.

Fortsetzung folgt, inklusive der Auflösung zum Artikelnamen…

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